Kein heißer Sommer

Im Juni
Wer den DEFA-Streifen „Heißer Sommer“ noch kennt, der weiß, dass da echt was los war. Bei uns ist es ganz anders. Wir stehen buchstäblich im Regen. Es nützt nichts, wenn wir uns beinahe regelmäßig treffen und überlegen was zu tun sei. Von Seiten der Stadtverwaltung werden wir nicht als Partner angesehen, sondern (so ist jedenfalls mein Gefühl) als störende Querulanten. Und denen muss man ja keine Auskunft geben. Mit solchen muss man nicht reden und die braucht man auch nicht in irgendwelche Überlegungen einzubeziehen.

So ist die nächste Stadtverordnetensitzung von Wulfenfort herangerückt. Wir haben uns wie immer sorgfältig vorbereitet, Fragen aufgeschrieben und unser Vorgehen abgestimmt. Immerhin beginnt jetzt bald die Sommerpause und die nächste Zusammenkunft ist erst im September. Bis dahin kann noch viel Wasser in unserem kleinen Flüsschen Drömitz herunterfließen und Bäume sind heutzutage schnell gefällt. Ich bekomme sowieso schon immer Panik, wenn irgendetwas, was auch nur entfernt an schwere Technik erinnert, in Richtung der alten Baumschule Heidenholz fährt. Aber bisher war alles nur blinder Alarm. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Die Stadtverordnetenversammlung ist nur mäßig besucht. Das erstaunt mich. Bis zum nächsten Termin ist es ein besonders langer Abschnitt. Es wäre doch sicher wichtig, dass man sich heute noch über einige Sachen einigt. Aber Bürgermeister Felsentramp ist nicht da. Sein Stellvertreter Dr. Freundlich auch nicht. Also ist das Gremium sozusagen führerlos. Darf man das heutzutage überhaupt noch sagen? Ich habe so meine Probleme mit der political correctness, gebe ich offen zu. Und obwohl ich jetzt gern eine Diskussion über Schaumküsse und Ähnliches vom Zaun brechen würde, bleibe ich mit meinen Gedanken doch lieber bei der Versammlung, deren Besuch den Stadtvätern nicht wichtig genug war. Dr. Freundlich gab sich, so wie man später erfuhr, lieber die Ehre auf einer Festveranstaltung der örtlichen Bank. Ich kann es ja irgendwie verstehen. Sicher war das ein netterer Zeitvertreib, als sich mit renitenten Waldrettern herumzuärgern.

Dafür war wohl Herr Beyer vom Liegenschaftsamt zur Anwesenheit zwangsverpflichtet worden. Und der musste nun die Suppe auslöffeln. (Der geneigte Leser mag sich erinnern, dass er mit dem Erdbeermenschen verwandt ist.) Unsere erste Frage lautete, ob man in der Stadtverwaltung einen Brief von der unteren Forstbehörde erhalten hätte, der die Feststellung als Wald eines großen Teiles des Areals der alten Baumschule beschreibt. Das wurde (meines Erachtens zähneknirschend) mit JA beantwortet. (Es ging ja diesmal nicht konkret um einen Brief vom Ministerium. Wenn der Herr Thaler damals vielleicht nach der Forstbehörde gefragt hätte…)

Natürlich wollten wir auch wissen: „Wie geht es nun weiter?“. Wenn wir nicht so vehement schlechte Erfahrungen mit den Aussagen unserer Stadtverwaltung gemacht hätten, dann wäre vielleicht sogar etwas Freude bei der Auskunft „Die Verkaufsverhandlungen sind ZUR ZEIT ausgesetzt“ aufgekommen. Aber irgendwie bleibt da ein fahler Beigeschmack. Selbst wenn Herr Beyer das in aller Öffentlichkeit von sich gibt. Das klingt zwar gut, kann aber auch Beruhigungstaktik sein. Wir wissen nicht genau, ob in der nachfolgenden nichtöffentlichen Sitzung beschlossen wird, dass das auch bis September so bleiben soll. Vielleicht erwartet uns am Ende der Sommerpause eine unangenehme Überraschung? Es ist wie immer. Wir können nichts tun und müssen abwarten. Das ist ein Zustand, der permanent an den Nerven zerrt.

Damit wir von unseren Stadtvätern in Zukunft nicht mehr nur als zänkische Bürger wahrgenommen werden, beschließen wir, aus unserer losen Interessengemeinschaft einen Verein zu machen. Also setzen wir uns hin und erarbeiten eine Satzung. Wir diskutieren was wir wollen und was nicht. Liegt uns nur diese eine alte Baumschule am Herzen? Oder geht es mittlerweile um den ganzen Stadtwald und die Lebensqualität in unserem Wulfenfort? So ganz nebenbei kommen eine Menge Ideen auf den Tisch, was man so alles machen kann. Es geht um den Erholungswert, um Bildung, um Kultur. Ich habe inzwischen auch ein Lieblingsprojekt. Das nennt sich „Kommunen für biologische Vielfalt“ und „ist ein Zusammenschluss von im Naturschutz engagierten Kommunen. Es stärkt die Bedeutung von Natur im unmittelbaren Lebensumfeld des Menschen und rückt den Schutz der Biodiversität in den Blickpunkt. Unsere Vision sind grüne Kommunen als hochwertiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.“ (Quelle: http://www.kommbio.de)

Wenn wir da als Stadt mitmachen würden, dann hätten wir endlich ein Alleinstellungsmerkmal. Im Rathaus hätte man seit langem schon gern eines. Aber unser Städtchen hat keine besonderen Persönlichkeiten hervorgebracht und bietet auch sonst nicht viel Außergewöhnliches. Dafür bekommt es bald einen Verein, der jede Menge Ideen hat. Da lässt sich sicher die eine oder andere realisieren. Wenn die Stadt mit uns zusammenarbeiten würde, könnten wir einiges bewegen. Eines ist klar: Wir wollen ernst genommen werden und versuchen unsere Bemühungen dahingehend zu bündeln. Wir würden lieber heute als morgen etwas auf die Beine stellen, aber uns sind die Hände gebunden. Wieder heißt es abwarten. Damit wir nicht nur Tee trinken, schließen wir uns erst einmal offiziell zusammen.

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Bildquellenangabe: Alexandra H.  / pixelio.de

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