Licht am Horizont

Freitag, 7. April
In meinem Briefkasten steckt ein Brief vom Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. Ich bin ganz aufgeregt und stelle fest, dass meine Hände zittern, als ich den Umschlag aufreiße. Drei Seiten entdecke ich. Zwei davon mit Text und eine mit einer Luftaufnahme.

Was dann kommt, muss ich zweimal lesen. Da steht doch tatsächlich „ergibt sich nunmehr ein differenzierteres Bild“. Ich will kurz nachdenken, bevor ich mich weiter in den Text vertiefe. Das heißt dann doch wohl, dass die Sache irgendwie anders aussieht als vorher.

Und tatsächlich, im Originaltext geht es so weiter. „Auf dem anderen Teil der ehemaligen Baumschule sind die Pflanzen aufgrund der aufgegebenen Nutzung in einen Waldbestand übergegangen (durchgewachsen). Für diesen Teil wird durch die untere Forstbehörde nunmehr die Waldeigenschaft festgestellt. Die untere Forstbehörde wird den Eigentümer, die Stadt Wulfenfort, über die bestehende Waldeigenschaft für einen Teil der ehemaligen Baumschule informieren.
In beigefügter Anlage sind die Waldflächen rot und die Nichtwaldflächen blau umrandet dargestellt.
Die ehemalige Baumschule Heidenholz befindet sich in der Schutzzone III des Wasserschutzgebietes Wulfenfort (Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes). Zur rechtlichen Einordnung habe ich die oberste Wasserbehörde im Haus beteiligt. Zuständig für den Vollzug der o. g. Verordnung ist der Landkreis als untere Wasserbehörde. Bei diesem wurde im Mai 2016 eine Befreiung von den Verboten des Errichtens oder Erweiterns von Gartenbaubetrieben und des gewerblichen Gemüse- und Obstanbaus sowie die Errichtung eines Brunnens beantragt. Der Landkreis erteilte eine Befreiung, welche u. a. Nebenbestimmungen zur Düngung und zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln enthält. Der Landkreis (als untere Wasserbehörde und untere Naturschutzbehörde) ist bei dieser Entscheidung davon ausgegangen, dass es sich bei der beantragten Fläche zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht um Wald handelt.
Da für Teile der ehemaligen Baumschule die Waldeigenschaft festgestellt wurde, ist der Antrag durch den Landkreis zu prüfen, denn die Umwandlung von Wald in eine andere Nutzungsart ist im Wasserschutzgebiet verboten.“

Ja! Klasse! Spitze! Wenn das neudeutsche Wort geil zu meinem Sprachgebrauch gehören würde, dann fände das hier ebenfalls Anwendung. Hier steht es schwarz auf weiß: Der Wald ist Wald und kann nicht einfach so abgeholzt werden! Ich bin hin und weg und könnte vor Freude laut singen. Sofort informiere ich die anderen Mitstreiter. Das sieht doch echt nach einem Sieg aus!

Ich kann in meiner Euphorie nicht ahnen, dass es nun zwar einen Lichtstreif am Horizont gibt, aber die Sache noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Der alte Goethe hatte wieder einmal Recht, als er sagte: „Glaube nur, du hast viel getan, wenn du dir Geduld gewöhnest an.“

Einige Tage später telefoniere ich mit jemand aus dem Ministerium, weil ich inzwischen von Haus aus misstrauisch geworden bin. Ich will noch einmal ganz sicher gehen, dass ich alles richtig verstanden habe. Man weiß ja nie bei dem Amtsdeutsch, denke ich mir. Und ja, ich gebe es, zu mein Glaube an das Gute im Menschen ist doch ziemlich erschüttert. Noch schlimmer sieht es aus, wenn ich über Vernunft und Verantwortung der Natur gegenüber nachdenke. Der Ministeriumsmitarbeiter sagt mir, ohne es zu beschönigen: „Frau Schreiber, ruhen sie sich auf diesem Brief nicht aus. Ich kann ihnen aus Erfahrung berichten, dass es für fast alle Sachen irgendwo noch eine Möglichkeit gibt, sie schlussendlich durchzudrücken. Seien sie wachsam!“

Na toll! Hat das denn niemals ein Ende?

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Bildquellenangabe: Rainer Sturm  / pixelio.de

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