Trübe Gedanken

Freitag, 31.03.
Wenn ich so meine Tagebuchaufzeichnungen durchblättere, dann mag ich mich selber nicht leiden. Meist jammere ich rum. So bin ich doch eigentlich gar nicht! Oder doch?

Zumindest sind alle Bemühungen den Wald zu retten bisher ins Leere gegangen. Ich habe unzählige Mails von Leuten, die mich glauben machen wollen, dass alle Vorgänge rechtens gewesen wären. Ich kann das nicht nachvollzeihen. Es macht mich wütend und traurig. Dann gibt es dann noch die Post von verschiedenen Organisationen und Verbänden, die sagen, dass sie keine Möglichkeit zur Hilfe sehen und alles Gute wünschen. Wünsche bekomme ich viele. Für Kraft, fürs Durchhalten, für einen langen Atem. Einmal wird in einem Schreiben der Vorschlag gemacht, dass wir eine Menschenkette um den Wald bilden könnten. Das fand ich sehr süß. So eine Aktion schafft natürlich Aufsehen, aber leider nur für den Moment. Die Zeit ist es selbst, die gegen den Wald spielt. Schon jetzt sprechen mich die Leute an und denken, dass alles entschieden ist und man nichts mehr ändern kann. Wenn sie sich an den Gedanken gewöhnen, das Interesse verlieren und sich nur noch um ihren Kleinkram kümmern, dann stehen wir hier auf ziemlich verlorenen Posten.

Am Schlimmsten finde ich die Diskussionen, die damit Beginnen oder Enden, dass man ja sowieso nichts ändern kann. „Die da oben“, machen ja sowieso was sie wollen. Da könnte ich vor Wut platzen. Wer sind denn „die da oben“ bei unseren Stadtverordneten? Die haben wir doch erst gewählt! In der Hoffnung, dass sie unsere Interessen vertreten.
Hin wie her, meine Laune wird nicht besser. Ich fühle mich gestresst, unausgeglichen und habe zu nichts Lust. Der ewige Kampf gegen die Windmühlen schlaucht mich echt.

Dazu kommt noch, dass auf einmal die Gerüchteküche wieder zu brodeln beginnt. In der Stadt heißt es, dass der Erdbeermensch aufgeben wolle. Das ist leider nur ein kurzer Hoffnungsschimmer. Hier war möglicherweise der Wunsch der Vater des Gedanken. Meine kurze Euphorie verschwindet und weicht wieder diesem dumpfen Bekümmertsein.

Montag, 3. April
Ich muss mich schon selber loben, weil ich nicht die Beherrschung verliere als ich einige Tage später einen kleinen Artikel in der Zeitung entdecke, in dem steht, dass jetzt ein Beirat für das Heidenholz unter Leitung von Herrn Dr. Freundlich gebildet werden soll. Mitwirken sollen: der Tourismusverband, die Naturschutzstation, der Anglerverband, der Jagdverband, die Wasserbehörde und weitere. Alles Leute, die keinen Finger dafür krumm gemacht haben, dass unser Wald als Ganzes erhalten bleibt. Ich kann mich da nur noch in Sarkasmus retten: Wollen sie den Rest verwalten oder auch noch verscheuern?

Mittwoch, 5. April
Gestern hat der Stadtentwicklungsausschuss getagt. Leider konnte ich diesmal nicht an der öffentlichen Sitzung teilnehmen, weil ich bereits einen anderen Termin hatte, der nicht zu verschieben war. Daher kann ich mir nur erzählen lassen, was da passiert ist. Das Thema des Tages drehte sich um den Bau von Straßen und Wegen. Es wurde unter anderem die Frage gestellt, wie denn die Besucher zur Erdbeerpflückplantage kommen sollen. Auf denselben Wegen wie die Kinder, wenn sie im Sommer ins Schwimmbad fahren? Womöglich ist es kleinlich, auf solchen Sachen herumzureiten, aber man muss nach jedem Strohhalm greifen, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Im Moment sieht es ganz so aus, als ob die Kommunalaufsicht nicht die geringste Lust hat, das Abstimmungsverfahren über den Verkauf irgendwie in Zweifel zu ziehen. Wahrscheinlich lachen die sich hinter unserem Rücken ins Fäustchen, weil so ein paar Bürger glauben, sie könnten erreichen, dass die ganze Sache aufgrund der fehlenden Informationen nochmals auf den Tisch kommt.

Ansonsten war wohl alles wie immer. Herr Fersenbein hat versucht, alle Fragen abzuwiegeln, Dr. Freundlich hat viel geredet und nichts gesagt und wenn Familie Reiter auf einer konkreten Antwort bestand, dann hat man sie informiert, dass sie eine schriftliche Antwort bekämen. Aber immerhin haben die uns wohlgesonnen Stadtverordneten durchgedrückt, dass in dem ominösen Beirat, der sich um die Entwicklung des Heidenholzes kümmern soll, auch Vertreter unserer Initiative aufgenommen werden sollen.

In der Wulfenforter Stadtzeitung heißt es dazu: „Den Antragstellern ist es besonders wichtig, auch die einfachen Bürgerinnen und Bürger, die ja schließlich die Hauptnutzer des Heidenholzes als Naherholungsgebiet sind, sowie Vereine und Initiativen an der Konzepterstellung und deren späteren Umsetzung zu beteiligen. Die Einwohner und Einwohnerinnen der Stadt sind ja auch die eigentlichen Eigentümer des Stadtwaldes.“

Na immerhin etwas, denke ich deprimiert. Ich kann ja noch nicht wissen, was ich am nächsten Tag in meinem Briefkasten finden werde.

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Bildquellenangabe: Wilhelmine Wulff  / pixelio.de

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