Konfuzius sagte …

Donnerstag, 30. März
Für eine Auftragsarbeit recherchiere ich nach asiatischen Weisheiten. Ich stolpere über so viele Aussprüche, die zur aktuellen Situation passen, dass es schon kein Zufall mehr sein kann. Konfuzius sagte beispielsweise: „Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte.“ Dumm ist nur, dass man dem, was in der Zeitung steht, oft großes Gewicht beimisst.

Da ich außerhalb des Stadtgebietes von Wulfenfort wohne, erhalte ich leider keine Druck-Exemplare unseres kostenlosen Wochenblattes. Irgendwie haben die Zusteller wohl keine Lust, sich auf den weiten Weg zu machen, um bei mir die regionalen Neuigkeiten in Papierform abzuliefern. So kommt es, dass ich erst einige Tage nach dem Erscheinen auf einen Online-Artikel stoße, der sich mit unserem innerstädtischen Zerwürfnis, wenn man es mal so nennen kann, beschäftig. Dort steht als fette Überschrift „Einige handeln rechtswidrig.“ Aus der Zwischenüberschrift kann der geneigte Leser erfahren, dass sich Wulfenforts Bürgermeister Felsentramp nun gegen Vorwürfe bezüglich des Verkaufs der früheren Baumschule Heidenholz wehrt.

Beim Lesen platzt mir wieder einmal der Kragen. Wenn man das so liest, dann ist der arme Mann ja völlig zu Unrecht unter Beschuss geraten. Da steht: „Es wird suggeriert, dass Waldflächen des Naherholungsgebietes im Stadtwald durch Abholzung den Bürgern entzogen werden. Dem ist nicht so, da die zum Verkauf stehende Fläche bisher der Öffentlichkeit aufgrund der wirtschaftlichen Nutzung nicht zugänglich war.“ Hallo? Wussten unser Bürgermeister und die Stadtverordneten nicht, dass ein Teil der Fläche öffentlich zugänglich ist? Davon konnten sich vor Kurzem die Teilnehmer unserer Wanderung mit eigenen Augen überzeugen. Wollen die echt etwas veräußern und wissen nicht, was sie tun? Auch hier kann Konfuzius etwas dazu sagen: „Die Vorbedingung für alles wirkliche Wissen ist ein präzises Unterscheidungsvermögen für die Grenze zwischen dem, was man wirklich weiß, und dem, was man bloß meint.“

Was mich aber noch viel mehr ärgert, ist eine andere Formulierung in dem besagten Zeitungsartikel: „Deshalb ist dem konkurrierenden Antragsteller eine benachbarte Fläche angeboten worden, um beiden Interessenten eine Realisierung ihrer Projekte zu ermöglichen. Dies ist jedoch mit der Begründung abgelehnt worden, dass es den Interessenten lediglich um die Verhinderung einer wirtschaftlichen Nachnutzung der ehemaligen Baumschulfläche geht.“

Mit dem Begriff konkurrierender Antragsteller bin dann ja wohl ich gemeint. Was für eine hässliche Wortkombination! Klingt irgendwie böse und ich muss mich beim Lesen regelrecht schütteln. Soll er doch, seine Erdbeeren pflanzen wo er will – nur nicht an die Stelle wo seit fast dreißig Jahren Bäume stehen! Als ob es mir darum geht ihm sein Geschäft zu verderben. Ich will doch einfach nur den Wald retten. Das Konzept, welches ich zur Unterstützung für meinen Pachtantrag eingereicht habe, braucht allerdings auch wirklich Sozialgebäude. Wenn dort so etwas wie eine Akademie entstehen sollte, dann benötigt man Räume, Toiletten, Wasser und Ähnliches. Was man mir als Ausgleichsfläche angeboten hat, ist einfach ein Stück Wald. „Was soll ich denn damit?“, habe ich damals gefragt. Und nun bin ich die Böse, die dem armen Investor nicht die Butter auf dem Brot gönnt. Konfuzius kann mich da auch nicht trösten: „Indem man über andere schlecht redet, macht man sich selber nicht besser.“ Ich lasse den Kopf hängen und bin ziemlich niedergeschmettert. Sehen mich die Leute so? Als einen Neidhammel, der scheel auf die Erfolge anderer blickt?

Irgendwie kann ich den Versuch unseres Bürgermeisters, die Sache aus seiner Sicht darzustellen, schon verstehen. Und wie ich das so denke, ärgere ich mich auch gleich darüber. Woher kommt nur dieses blöde Verständnis für Leute, die sich nicht einen Deut darum scheren, was sie unserem Wald antun werden? Fakt ist, ich darf jetzt nicht weich werden und einknicken. Wenn das alles nicht so an den Nerven zerren würde! Am liebsten würde ich allen Stadtverordneten mal per Mail ein weiteres Konfuzius-Zitat schicken: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

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Bildquellenangabe: marctwo  / pixelio.de

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