Ohne Wasser merkt euch das, wär ..

Dienstag, 28. März

In unserer Stadtzeitung erscheint ein Artikel, der die Überschrift „Links-Fraktion nahm Akteneinsicht“ trägt. Darin wird berichtet, dass die Wulfenforter Linken sich alle relevanten Unterlagen zum strittigen Verkauf der Baumschule Heidenholz angesehen haben. Weiterhin wird von der Klärung offener Fragen und auch von Meinungsunterschieden zum Gesamtvorgang gesprochen. Und dann taucht natürlich mein Lieblingssatzfragment auf: „Nicht öffentlich darüber reden.“ Toll, denke ich mir und bin sauer. Wir brauchen hier wohl einen örtlichen Whistleblower. Aber da kann ich sicher lange darauf warten. Wahrscheinlich werde ich nie erfahren, was da hinter geschlossenen Türen so abgeht. Als Krimiautor würde ich vielleicht eine Idee haben, wie man trotz allem an die gewünschten Informationen kommt. Hätte ich mal bloß früher das Genre gewechselt.

Am gleichen Tag taucht im Internet noch ein langer Kommentar zur Stellungnahme unseres Bürgermeisters Felsentramp auf. Der hatte sich ja öffentlich gegen die Vorwürfe, die man ihm so gemacht hat, gewehrt und mit dem Staatsanwalt gedroht, weil doch irgendwer irgendwas verraten hatte. Keine Ahnung, was das gewesen sein sollte, es hat jedenfalls nicht genügt um die Abstimmung über den Verkauf platzen zu lassen. In dem Schreiben wird noch einmal alles aufgezählt, was wir schon so lange bemängeln. Und natürlich stellt man auch hier die Frage: „Was hat Felsentramp davon, wenn er so vehement den Verkauf befürwortet?“

Genau diese Gedanken haben wir schon zig Mal hin und her gewendet. Wir haben uns sogar Rat von einem Anwalt holen wollen. Der hatte aber wohl die Absicht uns in einen langen und nicht so wirklich aussichtsreichen Rechtsstreit zu verwickeln. Wer soll denn das bezahlen? Und mit langfristigen Verfahren ist uns nicht gedient. Bäume sind schnell gefällt. Daher haben wir diese Idee auch ziemlich schnell fallen gelassen. Vielleicht hatten wir auch den falschen Rechtsanwalt angesprochen. Oder wir haben unsere Sache nicht so rübergebracht, wie es der Sache dienlich war. Möglicherweise waren es mehrere Faktoren – es hat halt nicht gepasst.

Dann entdecke ich noch einen weiteren Artikel in der Regionalpresse, der mir beim Lesen glattweg einen Schlag in die Magengrube verpasst. Schon allein die Überschrift spricht all unseren Bedenken Hohn: „Kein Einwand aus Umwelt-Sicht“. Es wird berichtet, dass der geplante Verkauf der ehemaligen Baumschule Heidenholz schon vor der Abstimmung die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Wasserbehörde beschäftigt hätte. Es gäbe zwar kein Umweltgutachten, aber grundsätzlich auch keine Bedenken. Man hat nur darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Gelände um ein Trinkwasserschutzgebiet handele. Daher musste sich der Investor vor seinem Kaufantrag auch mit der Unteren Wasserbehörde in Verbindung setzen. Punkt. Aus. Ende.

Ja sind die denn von allen guten Geistern verlassen? Eine konventionelle Obstplantage im Trinkwasserschutzgebiet und dafür sind „keine umweltrelevante, genehmigungsbedürftige Sachverhalte erkennbar“, wie die Zeitung zudem berichtet.

Wie gerechtfertigt meine Empörung ist, kann ich einige Tage später im Internet nachlesen. Da steht mit fetten Buchstaben: „EU verklagt Deutschland wegen mangelnden Grundwasserschutzes“. Weiter heißt es: „Wegen steigender Nitratwerte im Grundwasser muss sich Deutschland dem Europäischen Gerichtshof stellen. Bei einer Verurteilung drohen Geldstrafen in sechsstelliger Höhe.“ Und später folgt dann noch: „Als eine Ursache für die hohen Nitratwerte in Deutschland gelten zu lasche Regeln für den Umgang mit Gülle und Kunstdünger. Nitrat ist für das Pflanzenwachstum von entscheidender Bedeutung“. Man beachte die Formulierung: “ Zu lasche Regeln“. Schöne Grüße an unsere untere Wasserbehörde!

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Bildquellenangabe: Grace Winter  / pixelio.de

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