Nicht mehr allein im Wald

Mittwoch 22.03.
Weil keiner von uns an der offiziellen Försterwanderung teilnehmen konnte, beschließen wir kurzentschlossen, eine eigene Wanderung zu machen. Damit sollen die Bewohner unserer Stadt für das Thema sensibilisiert werde, wie man das heute so schön ausdrückt. Außerdem wollen wir im Gespräch bleiben, denn unsere Angst ist es, dass man die Sache mit dem Heidenholz einfach vergisst. Schließlich hat man in Wulfenfort auch noch andere Probleme als den Wald zu retten. Daher blasen wir wieder einmal zum Angriff und nutzen die sozialen Medien, um unser Anliegen zu verbreiten. Zum Glück können wir auch die Stadtzeitung und die Lokalpresse dafür gewinnen, unsere Einladung bekanntzumachen.

Im Vorfeld haben wir ganz schön zu tun und zu überlegen. Wer übernimmt die Führung und erzählt den Leuten etwas? Schließt uns jemand die derzeit eingezäunte Fläche der alten Baumschule auf? Darf man da eigentlich langlaufen? Welche Wege wählen wir im frei zugänglichen Areal? Und auch ganz profane Sachen kommen zur Sprache. Wer backt Kuchen? Tee oder Kaffee? Plastegeschirr? Das wird gleich abgewählt. Bloß keinen Müll im Wald machen. Jeder von uns stellt einige Tassen bereit, es wird schon reichen. Wir sind voller Aktionismus und haben doch etwas Sorge, ob überhaupt jemand kommt.
Das Ergebnis ist überwältigend.

Samstag 25.03.
Ganz egal, welche Zeitung Recht hat, die Meldungen im Nachhinein lauten 90 beziehungsweise über 100 Teilnehmer. Wir sind begeistert, dass so viele Leute unserer Einladung gefolgt sind. Darunter findet man auch etliche Stadtverordnete. Einige von ihnen sehen das Areal, über dessen Verkauf sie vor einiger Zeit abgestimmt haben, zu ersten Mal. Ich enthalte mich sicherheitshalber jeden Kommentars, als man mir das erzählt. Sogar Dr. Freundlich hat sich aufgemacht um sich unter die Menge zu mischen. Das muss man ihm wohl hoch anrechnen. Schließlich ist er der Stellvertreter des Bürgermeisters, der unsere Aktion sicher nicht toll findet. Vielleicht will er aber auch nur wissen, was wir weiter vorhaben. Ich weiß, dass ich inzwischen irgendwie unter Paranoia leide, aber die ganze Sache hat mich so misstrauisch gemacht, dass ich schon überall Spitzbüberei wittere. Die meisten der Anwesenden stehen unserem Anliegen, die alte Baumschule Heidenholz für Wulfenfort zu erhalten, positiv gegenüber. Immer wieder taucht die Frage auf, wo man denn unterschreiben könne. Also machen wir eine Unterschriftenliste, für Leute, die sich da eintragen wollen. Da kommen doch viele Unterstützer zusammen. Das ist ein gutes Gefühl.

Einige Tage später wird allerdings in der Lokalpresse ein Satz stehen, der sich mir schwer auf die Seele legt. Hier wird das Motto unserer Aktion wie folgt beschrieben: Ansehen, was beim schon beschlossenen Verkauf der Fläche verlorengeht. Genau das trifft voll ins Schwarze. Da nützen die vielen Unterschriften, die zustimmenden Worte, wütende Leserbriefe und etliche Unterstützer nicht viel. Wenn nicht ein Wunder geschieht, können wir hier auf und nieder hüpfen, wie wir wollen. Fakt ist, die Stadtverordneten haben aus Unkenntnis oder warum-auch-immer beschlossen, das Areal zu veräußern. Der Käufer hat vor aus dem Gelände eine Erdbeerplantage zu machen. Nun kann man nicht einfach hingehen und sagen, dass uns dieser Beschluss nicht passt und sie sollen doch noch einmal zu unseren Gunsten abstimmen. Dummerweise geht das mit der Demokratie nicht so. Das sieht man ja eindeutig am Brexit. Wahrscheinlich würden die Engländer jetzt auch anders abstimmen und doch in der EU bleiben.

Die Zeitung schreibt noch etwas, was meine kurzzeitigen Sympathiegefühle für Dr. Freundlich weiter dämpft. Er nimmt zum Verkauf selbst grundsätzlich keine Stellung, weil das ja nicht in seine Zuständigkeit falle. Aber er lässt verlauten, dass die Vorgänge rund um den Verkauf aufgearbeitet werden müssten. Na da bin ich ja mal gespannt (und warte ein halbes Jahr später immer noch darauf). Außerdem würde er an einem Gesamtkonzept für die Nutzung des vollständigen Waldgebietes der Stadt Wulfenfort arbeiten. Dieses würde alles umfassen und nicht nur den kleinen Teil der ehemaligen Baumschule Heidenholz. Grundsätzlich ist da ja nichts dagegen zu sagen. Aber warum redet er nicht mit uns darüber?

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Bildquellenangabe:        Bettina Stolze  / pixelio.de

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