Heißer Draht nach (ziemlich) ganz oben

Freitag 10. März

Ich überlege, telefoniere und maile. Irgendwas muss doch noch zu machen sein! Meine Einstellung, dass alles verloren ist, hat sich in ein verbissenes „so einfach nicht“ verwandelt. Also sitze ich den ganzen Tag am Computer und suche nach Leuten, die mir helfen könnten, das Ruder in letzter Sekunde noch herumzureißen. Außerdem spazier ich täglich um besagte Fläche. Nicht das die schon mit dem Roden anfangen! Was für eine Horrorvorstellung. Ich will mich nicht an einen Baum ketten müssen! Es ist März und noch ziemlich kalt. Nackt fällt dann schon mal sowieso aus, gestehe ich mir kichernd ein.

Also recherchiere ich weiter. Manche Sachen lassen mich stutzen. Wenn ich gerade mal wieder in so einem Telefonmarathon bin, passiert es, dass auf einmal alle Nummern, die ich vom Festnetz aus wähle, besetzt sind. Komisch? Sitzt da jemand auf meiner Leitung? Ich attestiere mir Verfolgungswahn und probiere es vom Handy aus. Ich bekomme ebenfalls nur Besetztzeichen zu hören. Zufall? Sabotage? Ich versuche mich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass ich vielleicht doch nicht so wichtig bin, wie ich es mir einbilde.

Wenn ich nicht telefonieren kann, dann recherchiere ich weiter. Wenigstens geht das Internet noch, denke ich bei mir. Irgendwann lande ich dann auf der Seite des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. Mein Plan ist, einen Menschen zu erreichen, der mir weiterhelfen könnte. Kein Besetztzeichen, aber es geht auch niemand ans Telefon. Ich probiere es beim Nächsten und beim Nächsten und so weiter. Nichts. Sitzt denn im ganzen Haus keine einzige Person zu an seinem Schreibtisch? Das kann doch nicht sein. Na gut, wenn sie es denn so haben wollen, dann rufe ich eben den Minister an!

Tatsächlich hebt da dann gleich jemand den Hörer ab. Ich bin begeistert. Dieses Entzücken steigert sich sogar noch. Die Dame am anderen Ende der Leitung ist die Sekretärin vom Minister und nimmt sich wirklich Zeit für mich. Ich kann also die ganze Geschichte von vorn bis hinten erzählen. Dabei bekomme ich das Gefühl, dass sie sich wirklich dafür interessiert und nicht nur so tut. Dass ich damit richtig liege, erfahre ich, als sie meint ich solle ihr doch mal alle vorhandenen Informationen zumailen. Außerdem sagt sie mir, an wem ich mich im Ministerium wenden soll, damit es Sinn macht. Wow, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich durfte nicht nur lang und breit mein Herz ausschütten, sondern erlange vielleicht auch noch Unterstützung von ganz oben. Frohen Mutes bedanke ich mich überschwänglich.

Das war diesmal wohl ein Treffer ins Schwarze, denke ich mir. Aber die Personen im Amt, an die ich mich dann direkt wende, die meinen immer sie wären dafür nicht zuständig und verweisen mich weiter. So werde ich denn von einer Abteilung zur anderen durchgereicht. War das schon wieder eine Sackgasse und ich habe mich zu früh gefreut?

Ich kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass ich mit meinem Anruf im Ministerium doch mehr bewirkte, als es im ersten Moment aussah. Hinter meinem Rücken beginnt sich dadurch etwas zu bewegen, was die ganze Sache in einem anderen Licht erscheinen lassen wird.

 

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