Verraten und verkauft – oder auch anders herum

Donnerstag, der 23.Februar

Früh am Morgen nach einer unruhigen Nacht: Wir wissen nichts. Diese Information teilen wir über WhatsApp. So eine Ungewissheit ist nervig.

Erst zum Mittag kommt die Nachricht: Es wurde beschlossen, dass der Wald an den Erdbeermenschen verkauft wird.

Die Telefone laufen heiß, als wir uns über dieses Ergebnis austauschen. Fakt ist: Wir sind am Boden zerstört. Irgendwie können wir es nicht so richtig fassen. Wie konnte sowas nur geschehen?

Natürlich verbreitet sich diese Kunde auch ziemlich schnell über die sozialen Medien. Die Wulfenforter sind erschüttert. Es hagelt Kommentare.

Die spinnen doch … erst überall werben für das Naherholungsgebiet und dann sowas … Hauptsache das Geld stimmt

Mein Entsetzen weicht langsam einer tiefen Traurigkeit. Ich stelle mir vor wie der Harvester, die große vollautomatische Holzerntemaschine, durch die Reihen der Bäume fährt und alles platt macht. Vögel, Rehe, Hasen und alle anderen Tiere fliehen entsetzt. Und was ist mit denen, die nicht so schnell wegkommen? Ich habe das Szenario von „Als die Tiere den Wald verließen“ vor Augen und einen dicken Kloß im Hals.

Und dann ist da noch etwas. Man könnte es vielleicht grenzenloses Unverständnis nennen. Unsere Stadtverordneten sind doch eigentlich dafür gewählt worden, die Interessen der breiten Masse zu vertreten und nicht nur einen einzelnen Unternehmer zum Gefallen zu sein! Meine Enttäuschung ist groß. Schließlich müssen ja mehr als die Hälfte der zwanzig anwesenden Stadtverordneten dem Verkauf zugestimmt haben! Ich hätte nie gedacht, dass die Abstimmung letzten Endes wirklich so ausgeht. Das nicht alle so ein Faible wie ich für den Wald haben, war mir klar. Aber dass man so auf verlorenem Posten stehen kann, habe ich mir nicht vorgestellt. Zumal sich in den vergangenen Wochen immer mehr Leute zu Wort gemeldet haben, denen unser Heidenholz am Herzen liegt. Wir haben uns hier ja zu einer richtigen Interessengemeinschaft zusammen gefunden. Sollte das alles umsonst gewesen sein?

Meine Laune wird nicht besser, als meine Mutter mir am Nachmittag einen Artikel aus der lokalen Presse auf den Schreibtisch legt.

Dort steht unter der fetten Überschrift „Baumschule wird zur Obstplantage“ folgende Einleitung: „Die ehemalige Baumschule Heidenholz wird eine Obstplantage werden. Das haben die Wulfenforter Stadtverordneten am Mittwoch nicht öffentlich entschieden. Über das Thema gab es schon im öffentlichen Teil lange Diskussionen.“

Lange Diskussionen gab es, da hat der Verfasser vollkommen Recht. Leider haben die nichts gefruchtet, denke ich deprimiert. Ich lese den Zeitungsartikel wieder und wieder durch. Da steht es schwarz auf weiß. Das Ding ist gegessen. Erledigt. Aus und vorbei. Klappe zu – Affe tot.

Trotz allem, regt sich so nach und nach ein kleines bisschen Widerstand in mir. Was der Mensch von der Zeitung schreibt, ist mir gestern auch ständig im Kopf herum gegangen. Im Grunde genommen konnten die Stadtverordneten gar keine ordentliche Entscheidung treffen. Oder hätten sie diese sogar nicht treffen dürfen?

Meine Augen wandern immer wieder zu dem Abschnitt im Artikel, wo eine Abgeordnete zitiert wird: »„Wir verfügen eigentlich allesamt nicht über die Informationen. Das reicht nicht, um sich für eine Beschlussfassung zu positionieren.“ Das wollte Felsentramp aber nicht gelten lassen.«

Genau das war unser aller Eindruck gewesen! Der Bürgermeister hat interveniert. Langsam erwacht mein Kampfgeist und ich stelle mir zwei Fragen.

Die eine lautet: Darf der denn das? Und die Andere: Sollen wir ihn damit einfach durchkommen lassen?

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Bildquellenangabe: Kurt Michel  / pixelio.de

 

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