Die Mühlen setzen sich langsam in Bewegung

Mittwoch, 16.11.

Wie immer sitze ich morgens am Computer, um zu schreiben. Dummerweise ist es schon zur Gewohnheit geworden, zuerst einmal die Mails abzuholen. Das kann manchmal ziemlich kontraproduktiv sein, weil ich mich dann oftmals mit den eingehenden Sachen beschäftige, anstatt mein Tagespensum abzuarbeiten. So ist es auch an diesem Tag.

Ich bekomme eine Mail von einer der Fraktionen, die in der Stadtverordnetenversammlung sitzen. Das Schreiben informiert mich im guten Amtsdeutsch über eine gestern stattgefundene Sitzung des Hauptausschusses.

Ich denke mir, dass das ganz nett ist, und frage mich aber gleichzeitig, was ein Hauptausschuss denn so macht. Manno, ich habe ja mal wieder von nichts eine Ahnung!

Zum Glück gibt es ja Google und so lässt sich die Kommunalverfassung des Landes Brandenburg ganz einfach finden. Ich kann zu diesem Zeitpunkt ja nicht ahnen, dass ich am besten gleich ein Lesezeichen auf diese Internetadresse setzen sollte. Immerhin werde ich in den nächsten Wochen ziemlich häufig auf diesen Seiten unterwegs sein.

Aber zurück zum Hauptausschuss. Es heißt in eben jener Kommunalverfassung:  „Der Hauptausschuss hat die Arbeiten der Ausschüsse aufeinander abzustimmen und kann zu jeder Stellungnahme eines anderen Ausschusses eine eigene Stellungnahme gegenüber der Gemeindevertretung abgeben.“ Das ist also der Koordinator für die einzelnen Bereiche, reime ich mir zusammen. Klingt ja gar nicht so schlecht, wenn die sich mit dem Problem befassen.

In der Email steht, dass das Thema Baumschule Heidenholz an den Stadtentwicklungsausschuss verwiesen werden wird. Der soll sich dann umfassend damit beschäftigen und ich werde als Interessent eingeladen, um dort meine Gedanken darzulegen.

Das finde ich ebenfalls nicht schlecht, obwohl mir irgendwie auch davor graut. Wenn ich eine Lesung mache oder einen Kurs gebe, dann sitzen da im allgemeinen Menschen die mich mögen. Da kann ich sicher sein, dass die Anwesenden recht positiv auf meine Ausführungen reagieren. In so einem Stadtentwicklungsausschuss wird das gewiss nicht so sein. Das liegt da wohl auf der Hand. Umso mehr, als auch der andere Interessent seine Vorhaben und Projekte vorstellen darf.

Da muss ich aber jetzt durch. Ich kann jetzt nicht kneifen, wenn ich den Wald retten will.
Ich überlege, ob ich mich jetzt schon vor der Veranstaltung grusele oder ob ich das alles erst einmal an mich herankommen lasse. Die Entscheidung fällt zu Gunsten des letzteren Punktes. Außerdem bin ich froh, dass ich wenigstens nicht noch nachschlagen muss, was ein Stadtentwicklungsausschuss für Aufgaben hat.  Das ergibt sich wohl aus seinem Namen. Hoffe ich zumindest.

Es klingelt und einer meiner Nachbarn steht vor der Tür. Passenderweise will er mir etwas über eben jene Hauptausschusssitzung erzählen. Unser langjähriger Bürgermeister Felsentramp hat da wohl auf verschiedene Anfragen der Stadtverordneten ziemlich rüde reagiert. Denen wurde, wenn man es volkstümlich ausdrücken möchte, glatt über das Maul gefahren. Alles, was man besprechen wollte, das wäre, so dessen Meinung, nicht für die Öffentlichkeit geeignet. Wir grinsen uns an und fragen uns beinahe gleichzeitig, wofür denn so eine Stadtverwaltung eigentlich da wäre.
Mehr als einmal fiel bei Fragen, als es um die Baumschule Heidenholz ging,  der Hinweis auf den nichtöffentlichen Teil der Sitzung. „Das ist nicht öffentlich“ wird dann später übrigens einmal zu einem „Runnig Gag“ werden.

Der Nachbar selber hat nebenbei bemerkt auf seine Fragen auch keine Antworten erhalten. Mal will und mal kann unser Bürgermeister nicht antworten. Dass dieses Vorgehen seine ganz persönliche Taktik ist, werde ich auch noch erkennen müssen.

Mein Nachbar meint dann noch, dass er bei der Zeitung gewesen sei. Ohne mein Wissen wolle er aber mein Schreiben nicht so einfach weitergeben. Mir ist mittlerweile alles egal und ich habe eh das Gefühl, keinen Einfluss mehr darauf zu haben, wer sich mit dieser Sache alles befasst. Also schicke ich meinen Text später auch noch an die Lokalzeitung.  Schließlich will ich ja den Wald retten und da sollte mir jedes Mittel recht sein. Ich denke mir ziemlich naiv, wenn die Presse von dem Vorhaben erfährt und es verbreitet, dann ist die Schlacht doch schon halb gewonnen.

Am Abend gehe ich noch zu meiner anderen Nachbarin. Die kennt sich durch ihren Job mit vielerlei Verfahren rund um Wald, Bestimmungen, Ersatzpflanzungen und dergleichen aus. Sie dämpft meinen leichten Optimismus. Egal was die anderen so sagen, sie sieht das pragmatisch. Die Chancen, als Sieger aus diesem Spiel heraus zu gehen, sind nicht besonders hoch.

So kommt es, dass ich mich beim Nachhause gehen so ziemlich allein auf weiter Flur fühle.
8

Bildquellenangabe:        Oskar Günther  / pixelio.de

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