Eine erste Reaktion

Dienstag, 08.11.

Als ich früh vom Hühnerfüttern ins Haus komme, klingelt das Telefon. Ich bin nicht schnell genug. Als ich den Hörer abnehme, ist niemand mehr dran. Dafür find ich dann eine Mail in meinem Postfach.

Sehr geehrte Frau Schreiber,

Ihre E-Mail vom 11.10.2016 an den stellvertretenden Bürgermeister ist mir zur Bearbeitung übergeben worden. Ich würde mich gern zum Sachverhalt mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch verständigen. Leider kann ich Sie zwecks Terminabsprache derzeit nicht telefonisch erreichen. Ich bitte Sie daher um Ihren Rückruf.

Mit freundlichen Grüßen

Ader

Oh, wie erstaunlich! Gestern war die Versammlung, auf die Nachbar Nummer eins gehen wollte. Wie ich ihn einschätze, hat er kein Blatt vor den Mund genommen und gerade heraus gefragt, warum man mir nicht geantwortet hat.

Anders kann ich mir diese Kontaktaufnahme nach so vielen Wochen nicht erklären.

Also rufe ich diesen Fachgebietsleiter der Stadtverwaltung für Liegenschaften und Zentrales Gebäudemanagement (Wow, was für ein Titel!) an. Der Herr am Telefon erklärt mir, dass er schon ganz oft versucht hat, mich zu erreichen, was aber bisher nicht geklappt hätte. Ich sinniere so bei mir, dass er mir viel erzählen kann, verkünde aber laut, dass ich eine vielbeschäftigte Frau bin.

Die Vorstellung der Stadtverwaltung sieht nun auf einmal so aus, dass sich mein Gesprächspartner gern mit mir treffen würde, um die Sachlage in einem persönlichen Gespräch zu erörtern. Am liebsten heute noch. Die Sachlage erörtern. Na das ist ja eine hübsche bürokratische Formulierung.

Und überhaupt: Hallo? Ich denke ich höre nicht richtig. Glauben die echt ich stehe hier Gewehr bei Fuß und warte nur darauf, dass die sich bei mir melden. Mit Bedauern in der Stimme bemerke ich, dass ich heute gar keine Zeit habe und es in dieser Woche ganz schlecht ist, und schlage den nächsten Dienstag vor.

Weil man mich aber so richtig höflich bittet, es diese Woche noch einzurichten, lasse ich mich gerade so auf den Freitag ein. Ich tue so als ob ich das nur mit Anstrengung hin bekomme, dabei ist das mein freier Tag. Aber schließlich hatte ich den auch anders geplant, als ihn auf dem Amt zu verbringen.

Ich lege den Hörer auf, ziehe meine Jacke an und marschiere schnurstracks zu Nachbar Nummer eins. Der hat tatsächlich am Vorabend auf der Fragestunde beim Finanzausschuss in den Raum geworfen, dass es verwunderlich ist, dass ich auf meine Anfrage nach einer Pachtmöglichkeit keine Antwort erhalten habe.

Wir grinsen beide ein bisschen in uns hinein und verabreden uns für den nächsten Abend, um mal ausführlich über die Sache zu reden.

Beim Nachhausekommen leere ich meinen Briefkasten aus und finde ein Schreiben von der IHK. Die Industrie und Handelskammer veranstaltet gerade eine schriftliche Unternehmensbefragung zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes. Na das passt ja voll zum Thema, denke ich und nehme mir gleich den Fragebogen vor.

Obwohl ich als Autorin arbeite, besitze ich auch eine Gewerbeanmeldung. Schließlich will ich doch meine Weihnachtsbäume nicht schwarz verkaufen. Bisher war ich ja immer der Meinung: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Ich habe also alle meine Aktivitäten angemeldet und zahle darauf notfalls Steuern. Im Übrigen saß ich bis dato auch fröhlich und zufrieden in meinem Wald. Noch vor einem halben Jahr wollte ich sogar meinen Mann überreden, dass wir unsere Rechtsschutzversicherung kündigen. Das Geld dafür hätte ich gern gespart, weil wir uns ja eh nicht streiten würden. Zugeggeben: Irgendwie konnte ich zu dem Zeitpunkt die Ausmaße des Kommenden überhaupt nicht einschätzen. Sei es drum, mein Liebster bestand darauf, den Vertrag beizubehalten und hat sich auch durchgesetzt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal froh darüber sein würde.

Weil ich ja, wie erklärt, seit Jahren als selbstständig zähle, bekomme ich also auch so einen Brief von der IHK. Eigentlich möchte ich niemanden in die Pfanne hauen, aber ich bin sauer, dass mir die Stadt nicht auf meine Mail geantwortet hat und nun rumdrängelt. Ich habe keine Lust nett zu sein und ertappe mich dabei, dass ich bockig werde. Dementsprechend ungnädig fällt nun auch meine Bewertung aus.

Auf Seite 1 wird beispielsweise gefragt: Was verbinden sie mit Ihrer Standortgemeinde? Man kann von 1, trifft sehr zu, bis 6, trifft gar nicht zu, wählen. Heimat bekommt bei mir die Note 1. Dynamik, Wirtschaftskraft und Innovationskraft schaffen es gerade mal auf 4.

Auf Seite 2 wird dann später nach der Kommunalen Verwaltung gefragt. Es geht um ein „offenes Ohr“ für Wirtschaftsfragen, die generelle Erreichbarkeit, die Bearbeitungsdauer von Anliegen und Verfahren, die Transparenz bei Entscheidungen und ähnliches. Ich soll einmal die Bedeutung einschätzen und in einer zweiten Tabelle meine Zufriedenheit darstellen. Na das passt ja genau zu meiner Situation denke ich und gebe als Bedeutung die Note 1. Meine Zufriedenheit dagegen schwankt zwischen 5 und 6.

Weiter unten taucht dann auch noch die Frage auf ob es in unserer Stadt besondere bürokratische Hemmnisse gibt. Im Augenblick fallen mir dazu nur die bürger-unfreundlichen Öffnungszeiten der Stadtverwaltung ein. Ich weiß in diesem Moment allerdings noch nicht, was sich mir noch so alles in den Weg stellen wird.

3

Bildquellenangabe: Lupo  / pixelio.de
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s