Wie alles begann

Sonntag, der 9. Oktober

Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Meine Welt ist in Ordnung. Ich bin gerade richtig gut im Schreibflow. Der Herbst ist wunderschön. Menschen und Tiere sind alle gesund und munter. Eigentlich ist alles so, wie es sein sollte. Zumindest wie ich es am Liebsten habe.

Dieses gute Gefühl ändert sich zuerst einmal auch nicht, als meine Mutter beim Spazierengehen herein schaut um einen Schwatzt mit uns zu halten. Ganz nebenbei erwähnt sie, dass man ihr erzählt hat, dass der ABM-Verein, der die alte Baumschule Heidenholz bewirtschaftet ein anderes Objekt bekommt. Niemand weiß, wer die Fläche dann pachten wird. Wir rätseln eine Weile herum. Aber weil sie noch mehr zu berichten hat, kommen wir auch wieder vom Thema ab.

Erst beim Abendbrot schauen mein Mann und ich uns nachdenklich an. Wir haben hier eine kleine Weihnachtsbaumplantage, die wir mit mäßigem Erfolg, aber mit viel Liebe betreiben. Die ist sozusagen das Erbe meines Förster-Papas. Wir haben fast nur Stammkunden, verzichten auf den Einsatz von Chemie und können die Gewinne daraus an einer Hand abzählen. Trotzdem hängen wir an diesem Nebenerwerb und mögen die vorweihnachtliche Hektik beim Bäumeverkaufen.

Wenn sich jetzt ein großer Weihnachtsbaumproduzent auf die Fläche der ehemaligen Baumschule vor unsere Nase setzt, dann können wir aber dicht machen. Diese Aussicht sorgt dafür, dass uns das Abendbrot nicht mehr so richtig schmecken will. Aber irgendwie haben wir beide auch keine Idee, was wir machen könnten.

Montag, den 10. Oktober

Die Vorstellung dass sich hier vor meiner Nase ein anderer Weihnachtsbaumverkäufer ansiedeln könnte wird immer größer und hat mich die ganze Nacht nicht schlafen lassen.  Es nervt mich schon, dass die ABMer vom Verein Pusteblume, der sich derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule befindet, immer Schmuckreisig und Weihnachtsbäume verkaufen. Wenn da ein echter Profi einsteigen würde, dann können wir wirklich einpacken. Ganz gleich, ob wird den Ehrgeiz haben unsere Bäume ohne Chemie aufzuziehen oder nicht.

Angriff ist die beste Verteidigung, denke ich mir. Bevor das jemand anderes pachtet, werde ich mich darum kümmern.

Also suche ich mir die Nummer vom Liegenschaftsamt oder wie es offiziell heißt: Fachgebiet Liegenschaften und Zentrales Gebäudemanagement aus dem Internet heraus. Als ich dort anrufe, habe ich Herrn Ader am Telefon, der mir so gut wie keine Auskunft geben mag. Ich habe das Gefühl, dass er sich bei jeder meiner Fragen wie ein Aal windet.

Ich spreche ihn direkt darauf an und frage ihn, warum er sich so bedeckt halten würde. Seine Antwort lautet, dass er das nun mal müsse. Ich versuche ihm wenigstens den kleinsten Hinweis zu entlocken, ob es überhaupt Sinn machen würde, sich weiter mit Pachtgedanken für diese Fläche zu tragen. Er meint wenn er mir darauf antworten würde, dann würde er sich ja nicht mehr bedeckt halten.

Wo er Recht hat, hat er Recht. Das hilft mir aber auch nicht weiter. Und seinen Hinweis sich an Herrn Bayer, den Chef der ganzen Abteilung zu wenden, den finde ich auch nicht gut.

Ich kenne diesen Menschen nicht. Und ja, man soll sich nicht von Vorurteilen leiten lassen. Aber ich habe bisher nichts, aber auch absolut nichts Gutes über ihn gehört. Arrogant und unhöflich sind dabei wohl noch die schmeichelhaftesten Charakterzüge, die ihm nachgesagt werden.

Darum habe echt keinen Bock, da anzurufen und mir vielleicht komisch kommen zu lassen. Für heute habe ich genug Charme umsonst versprüht. Eigentlich fällt es mir ja nicht so schwer, Leute ins Gespräch zu verwickeln und ab und zu mal einige Informationen zu erhalten. Diesmal habe ich aber auf Granit gebissen. Ich habe jetzt werde Lust noch Nerven auf eine zweite Runde. Dieses Telefonat hat mir schon gereicht. Wenn es einen Preis fürs Ausweichen und Nichtsagen gäbe, dann würde ich den Herrn Ader auf alle Fälle nominieren. Also beschließe ich, dass ich jetzt meine Nerven schone und erst einmal eine Nacht über dieses Gespräch schlafe.

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